Verkehrswegebau in 20 Jahren Deutscher Einheit
Nun schon traditionell veranstaltete die VSVI Bayern auch in diesem Herbst einen Vortragsabend in München. Knapp 300 Mitglieder und einige Gäste verfolgten am 26. November 2009 die Berichte von Zeitzeugen sowie die Ausblicke auf künftige Straßenbauinvestitionen in Bayern und die Aufgaben der bayerischen Straßenbauverwaltung. Vorsitzender Karl Wiebel dankte dem Hausherren und Ehrenmitglied Josef Poxleitner, dass er auch in diesem Jahr die Veranstaltung im Foyer der Obersten Baubehörde ermöglichte. Besonders erfreulich war das Interesse, das die Veranstaltung bei den Abgeordneten des Bayerischen Landtags fand.
Fritz Wagner, damals Amtsvorstand am Straßenbauamt Schweinfurt, erzählte von der Wendezeit und mit welch unerwarteten Anforderungern er und sein Amt urplötzlich zu kämpfen hatten. Besonders traf die bayerischen Straßenbauer, dass ihre DDR-Verhandlungspartner auf der anderen Seite der Grenzanlagen rein gar keine Kompetenzen hatten. Und auch keine Anweiungen von übergeordneter Stelle bekamen.
Heinrich Gehring schloss mit seinem Zeitzeugenbericht an. Der frühere Abteilungsleiter am Straßenbauamt Kronach war durch den Druck der Öffentlichkeit (und eines jungen Landrats) gezwungen, flugs einen nur sechs Tage langen Bauzeitenplan für die Wiederherstellung der Straßen im Todesstreifen zu entwickeln: Zwei Tage Roden / Baufeldfreimachen - Zwei Tage Erdbau - ein Tag Frostschutz - ein Tag Asphaltieren - feierliche Eröffnung. Hier das Ganze im Bild:
Hans Ullrich Debus war als letzter Zeitzeuge dran, über den Aufbau von Baustoff- und Baunternehmen in der DDR unmittelbar nach der Grenzöffnung zu berichten. Seine damals gesammelten Erfahrungen als West-Unternehmer - mit eigentlich musealer Technik, mit Stasi-Seilschaften und mit unklaren Eigentumsverhältnissen - waren höchst interessant und fesselnd.
Helmut Schütz spannte mit seinen Ausführungen den Bogen von der Wendezeit bis heute, ganz im Sinn der Veranstaltung. Als erstes nahm die Autobahndirektion Nordbayern noch im November 1989 die A 72 Hof - Plauen nach einer Hau-Ruck-Aktion wieder in Betrieb. Getreu der Vorgabe des damaligen Staatssekretärs im bayerischen Innenministerium, sofort die Autobahn nach Plauen im Gegenverkehr befahrbar zu machen, und zwar "unabhängig von Entscheidungen der DDR-Behörden". Dahingegen war die Amtshilfe für den 57 Kilometer langen vierspurigen Ausbau der Autobahn zwischen 1990 und 1995 bis weit nach Sachsen hinein regelrecht trivial ...
Karl Wiebel: beendete die Vortragsreihe mit einem Blick auf aktuelle und künftige Aufgabenschwerpunkte der bayerischen Straßenbauverwaltung; die da sind: Anhaltendes Wachstum beim Verkehr ("die Straße ist und bleibt der Verkehrsträger Nummer 1"), Straßenzustand und -erhaltung, Lärmschutz an Straßen, Artenschutz und Biodiversität, umweltfreundliche Mobilität - Radverkehr, Verkehrsinformationen, Telematik und klamme Haushalte. Ach ja, und dann auch noch gewaltige Bauaufgaben wie A 3, A 94, A 6, A 8, B 15 neu, B 26 neu usw. usf.
Nach den Vorträgen diskutierten bei einem Stehempfang die Straßenbauingenieure bis tief in die Nacht hinein noch ...
